Wenn auch wenig viel hilft

Predigt zu 2. Kön 5,1-19a

Die Großmutter zur Enkelin: „Du darfst dir ein schönes Buch von mir wünschen!“ Das Kind überlegt nicht lange und sagt: „O.K., dann wünsche ich mir dein Sparbuch!“

Manche sagen: Viel hilft viel. Ich sag das auch. Zum Beispiel, wenn es um Gummibärchen geht. Da machen viele Bärchen auch viel mehr Spaß als nur eine Hand voll. Manche sagen das auch bei Medikamenten.
Oder bei ganz anderen Dingen: Viel hilft viel.
Viele kennen das ja von sich selbst. Was teuer und aufwendig, ist auch gut und hilft. Egal, ob medizinisch oder im Urlaub, beim Hausbau oder im Schwimmbad. Aufwendig und teuer, das spricht anscheinend für Qualität. Wenig Aufwand erscheint schnell billig und nicht sehr vertrauenswürdig.

Naaman hat in einer Geschichte im Alten Testament genauso gedacht.
Er war an Aussatz erkrankt. Eine schmerzhafte Krankheit, bei der die Haut verwest obwohl man noch lebt. Hochansteckend und tödlich. Gibt es bei uns nicht mehr, aber in anderen Ländern, Indien zB, schon noch.
Und Naaman hatte diese Krankheit und er lebte in Syrien, das kennen wir ja auch den Nachrichten. Eines Tages hört Naaman von einem Propheten in Israel, der angeblich Aussätzige heilen kann und mit viel Geld und einem Tross von Leuten und einem Empfehlungsschreiben vom König zieht er los, um diesen Propheten aufzusuchen. Viel hilft viel, dachte sich Naaman und viel Geld wird die Behandlung beschleunigen. Schon damals wartete man schon nicht gerne lange beim Arzt.
Als Naaman dann aber bei Elischa, dem Propheten vorspricht, rät der ihm nur, siebenmal im Jordan baden zu gehen. Also rein und siebenmal ein- und auftauchen.
Naaman aber fühlt sich hinters Licht geführt. Er ist beleidigt und will schnell wieder abreisen. Im Fluss baden, dass kann er ja auch zu Hause in Syrien, dafür musste er nicht extra nach Israel reisen!
„Aber seine Diener redeten ihm zu und sagten: »Herr, bedenke doch: Wenn der Prophet etwas Schwieriges von dir verlangt hätte, hättest du es bestimmt getan. Aber nun hat er nur gesagt: ›Bade dich und du wirst gesund!‹ Solltest du es da nicht erst recht tun?«“ (V.13)

Naaman dachte, ich bringe viel Geld mit und der Prophet macht viel Action und dann bin ich sicher geheilt. Er traute dem wenigen Aufwand einfach nicht. Viel hilft viel! Aber wenig kann ja nichts ausrichten!

Neun Kinder wollen wir heute taufen. Das ist eine große Zahl. Und wir haben einigen Aufwand betrieben, dass es heute Morgen ein schöner Gottesdienst wird. Bänke wurden aufgestellt. Ein Altar hergerichtet. Das Hotel Hartmann hat sich ins Zeug gelegt. Der Posaunenchor hat geprobt und ist jetzt dabei. Viele haben sich schön angezogen und den Tag durchgeplant. Viel Aufwand – aber wofür?
Wir werden gleich in den See steigen und dann?
Dann werden wir nur etwas Wasser nahmen und ein paar Tropfen davon, höchstens drei Hände voll über die Köpfe der Kinder fließen lassen. Zwei Jungs werden wir auch ganz eintauchen, aber das war es auch schon.
Taufe an sich (das Kernereignis) ist nicht sehr aufwendig.
Und trotzdem glauben wir, dass es allen Unterschied macht! Trotzdem glaube ich, dass Taufe eins der größten Geschenke ist, die wir unseren Kinder und damit wir einander machen können.
Es ist eben nicht immer viel, das viel hilft. Manchmal reicht schon ein wenig Wasser und eine ganz neue Welt tut sich auf. Einfach obwohl wir nur mit Wasser taufen, ohne Zusatzstoffe und irgendwelchen Tricks.

Es ist ganz wenig, was wir machen. Und trotzdem ist es alles Vertrauen wert.

Taufe ist eine Zusage. An uns. Und wir Menschen leben von solchen Zusagen. Von Versprechen. Babys könnten nicht groß werden, ohne die Zusagen von Geborgenheit und Versorgung. Wir Menschen würden verkümmern, ohne diese Zusagen. Denn sie stiften in uns Vertrauen. Aus den Zusagen der Eltern (Wir kümmern uns um dich!) wächst das Urvertrauen der Kinder. Und so wachsen wir vom Urvertrauen kleiner Kinder zu selbstbewussten und eigenständigen Erwachsenen.
Und darum ist es gut, schon ganz früh zu taufen. Damit möglichst alles getan wird, um ein gutes Urvertrauen in uns Menschen anzubahnen. Denn Gottes Zusagen halten uns.
Die Taufe ist Gottes Zusage an uns. Ich bin bei dir. Ich lasse dich nicht los. Ich kenne dich und habe dich bei deinem Namen gerufen. Wir zwei gehören zusammen. Und wir beide gehen gemeinsam durch das Leben. Was auch passiert, ich bin bei dir. Darauf kannst du dich verlassen. Darauf kannst du stehen und gehen, vom ersten bis zum letzten Lebenstag.

Das ist es, was uns Gott in der Taufe zuspricht und es ist alles Vertrauen wert.

Die Taufe ist der Ort, wo sich Gott und Mensch begegnen, verbinden und verbünden zum gemeinsamen Leben, auch über den Tod hinaus, bis in alle Ewigkeit.
Ein Treffen, ein Geschenk, zu dem wir „Ja“ sagen dürfen. Ein Fundament, auf dem wir bauen dürfen. Eine Zusage, die uns Mut machen möchte und ewige Hoffnung und dauernde Kraft. Ein starkes Wort.

Ja, dass du “Gottes Kind” sein darfst, kannst du in seinem Wort lesen, an der Liebe lernen, mit der dich Gott überschüttet, an den Talenten, die er dir mitgegeben hat, an jeder Bewahrung, die dir widerfährt, an deiner Lebensgeschichte bis heute, deinem Hab und Gut, allen Geschenken seiner Güte. Und daran, dass wir an seinem Tisch zum Abendmahl willkommen sind!
„Fürchte dich nicht. Weil du in meinen Augen so wertgeachtet und auch herrlich bist und weil ich dich lieb habe.“
Das darf Balsam für unsere Seele und Trost für unser Herz sein. Jeden Tag. Das müssen wir nur mal an uns ranlassen. Aber wir sind häufig so schüchtern und zurückhaltend. Wovor haben wir Angst?

Es passiert nicht viel. Nur ein wenig Wasser. Aber öffnen wir die Ohren, die Hände, den Verstand.
Lassen wir uns von Gott Gutes sagen. Und lassen Sie es uns persönlich nehmen, was er sagt. Da hinein, wo wir gerade sind, will er sprechen. Dahinein, was wir gerade erleben, will er greifen und tragen und helfen und leiten und führen.
Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Fürchtet euch nicht!“
Amen.