Vertraut den neuen Wegen

Predigt zum Peetshoffest 2015 – 4. Mose 14,2-4

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Meistens zumindest. Und Urlaubszeit ist schöne Zeit.

Ich geh‘ im Urwald für mich hin…
Wie schön, dass ich im Urwald bin:
man kann hier noch so lange wandern,
ein Urbaum steht neben dem andern.
Und an den Bäumen, Blatt für Blatt,
hängt Urlaub. Schön, dass man ihn hat!

Ja, man muss es, das Urlaub, nur noch pflücken.
Nicht nur das Gedicht von Heinz Erhardt, Urlaub ist wunderbar!
Ausspannen. Die Seele baumeln lassen. Tapetenwechsel. Essen gehen. Sonne tanken. Ruhe und Erholung, Sport und Aktionen. In Bewegung bleiben.

Machen wir mit. Steigen wir ein:
Der schöne Egon zu seiner neuen Flamme: „Möchten Sie mal in einem großen Wagen mit Chauffeur fahren?“ – Sie: „O ja, natürlich!“ – Er: „Dann kommen Sie, da vorne steht der Bus!“

Das macht Urlaub tatsächlich aus: in Bewegung kommen.
Das kann schon an der Autotür, am Bahnsteig oder Flughafen anfangen und setzt sich im Urlaubsland fort. Es kann aber auch hier bei uns zu Hause in Wirklichkeit werden. Auch hier haben wir die Chance, in Bewegung zu kommen, den Alltag zu unterbrechen, alte Ideen neu zu beleben und Freiräume zu nutzen.

Urlaub! Machen Sie sich bereit für Überraschungen, in dem Sie in Bewegung kommen!

Aber Achtung:
Sitzen zwei Urlauber am Strand und schauen einem Windsurfer auf dem Meer zu. Plötzlich kentert das Surfbrett und der Surfer bleibt verschwunden. Die zwei Beobachter schauen sich an und rennen ins Wasser um zu helfen. Sie ziehen einen raus und beginnen sofort mit Mund- zu Mund- Beatmung. Nach einer Weile sagt der eine zu dem Anderen.
„Du, der hat aber ganz schönen Mundgeruch“!
Darauf sagt der andere: “ Du, ich glaube, das ist der auch gar nicht! Der hier hat ja noch die Schlittschuhe an.“

Das ist ja die Krux. Der Haken an der Sache. Und das ist vielleicht auch der Grund, warum es vielen so schwer fällt, in Bewegung zu kommen. Man weiß eben nie, was einen erwartet, wenn man sich aufrafft. Wer weiß, was hoch kommt, wenn man losläuft und wer weiß, was man findet, wenn man sich auf den Weg macht.
Darum ist dieser „innere Schweinehund“ so stark. Darum bleiben wir so gerne beim Alten. Darum fallen uns Veränderungen so schwer. Darum dauert es so lange, bis sich etwas ändert, selbst, wenn alle zustimmen, dass die Veränderung genau richtig ist.
Sie kennen das vielleicht aus Ihrer Firma oder einfach Ihrem Leben. Ich kenne das auch aus der Kirche: da ist ganz viel Gutes, aber manches könnte wirklich ruhig mal aufgefrischt werden. Und viele stimmen auch zu und finden das auch. Aber es kommt nicht dazu. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Halten an Beziehungen und Bedingungen fest, auch wenn sie uns schaden. Den Sprung ins Unbekannte wagen wir nur ungern.

Manchmal wissen wir genau, dass ein Neustart uns guttäte. Doch in dem Moment, in dem die Bahn frei ist, mischen sich beklemmende Empfindungen in den Gedanken an Abschied und Neubeginn – und wir lassen dann doch den Fuß auf der Bremse. Viele unserer schönen Pläne und guten Vorsätze bleiben auf der Strecke, weil wir Gewohntes nicht loslassen wollen und darum meinen, es auch nicht zu können.

Wahrscheinlich kennen Sie die Geschichte vom Auszug aus Ägypten. Das Volk Israel war dort gefangen, um die Pyramiden zu bauen, die wir heute noch dort sehen können. Zwangsarbeiter waren sie und die Umstände waren entsprechend mies.
Kein Wunder, dass es dem Volk Israel irgendwann reichte und Mose diese Stimmung aufnahm und einen Aufstand anzettelte, der schließlich im wundersamen Auszug der Israeliten durch das Schilfmeer gipfelte. Die Freiheit stand ihnen vor den Augen und sie ergriffen die Chance zur Veränderung, kamen in Bewegung und schafften es.
Zuerst!
Doch die anschließende Wanderung durch die Wüste und durch gefährliche Länder war lang und bedrohlich und bald schon hatte man alle Qualen in Ägypten verdrängt und sehnte sich zurück in die nun plötzlich gar nicht mehr so schlimme „alte Zeit“.

Alle schimpften auf Mose und Aaron. „Wären wir doch in Ägypten oder hier in der Wüste gestorben!“, riefen sie. 3 „Warum bringt uns der Herr in solch ein Land? Damit man uns tötet und unsere Frauen und Kinder als Gefangene verschleppt? Lieber kehren wir nach Ägypten zurück!“ 4 Dann legten sie sich einen Plan zurecht: „Lasst uns einen neuen Anführer wählen und zurück nach Ägypten gehen!“ – so steht es im 4. Mose 14,2-4 (HfA).

Das Volk plante eine Meuterei. Statt in der Wüste zu verrecken, von Räubern überfallen, von Banden ermordet oder verschleppt zu werden, wollten sie doch lieber wieder zurück in die Gefangenschaft. Da waren sie zwar nicht frei, hatten aber wenigstens zu essen.

Wir sind zwar mal aufgebrochen, so sagten sie. Wir haben zwar jetzt Freiheit geschmeckt, so merkten sie. Aber so haben wir uns den Aufbruch und die Freiheit nicht vorgestellt. Hätten wir geahnt, dass es so lange dauert, so anstrengend wird und so viel Einsatz kostet, dann wären wir gar nicht erst losgelaufen, dann wäre uns die Gefangenschaft in Ägypten lieber gewesen. Los, kommt, wir kehren um!

Ich erinnere mich noch an den Fall der Mauer. Ich sehe noch die Bilder jubelnder Menschen vor mir und die Zusage von Helmut Kohl habe ich noch im Ohr: blühende Landschaften!
Aber dann kamen diese „blühenden Landschaften“ nicht. Oder nicht so, wie gedacht. Oder nicht so leicht, wie erhofft und man (vielleicht auch Du und ich) – wir haben gemeckert: Was das kostet? Wer kann sich das leisten und wer will das überhaupt? Hätte man geahnt, dass es so lange dauert, so anstrengend wird und so viel Einsatz fordert…wahrscheinlich würde die Mauer heute noch stehen!

Aber Freiheit, Frieden, ja, das ganze Leben lässt sich nicht haben, ohne Aufbruch, ohne Bewegung. Urlaub gibt es nur, wenn wir vorher dafür arbeiten. Manchmal ist auch ein wenig Risiko ist nötig. Einsatz ist auf jeden Fall gefragt.

„Mein Mann ist ein Zauberer!“ – „Wirklich?“ – „Ja, er geht abends mit dem Hund raus und kommt morgens mit einem Kater zurück!“

Einsatz ist gefragt und Lust auf Neues. In jedem Anfang steckt ein Zauber! Auch wenn es manchmal bedeuten kann, mit einem Kater aufzuwachen. Meistens ist es einfach nur ein Muskelkater oder etwas Unsicherheit, Herzklopfen, weil gerade ein neuer Weg beschritten und ausprobiert wird. Also nur Mut!

Es ist Urlaubszeit und wenn Sie aufbrechen und sich in unserer großen weiten Welt ein wenig umsehen wollen, dann nehmen Sie den Drive, die Lust am Neuen, die Freude des Aufbruchs mit, auch nach dem Urlaub, mit in Ihren Alltag.
Wie heißt es so schön?
„Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.“ (EG 395,3)

Und eigentlich gehen wir doch da, wo es offen, hell und weit ist gerne hin und schauen mal rein und bleiben vielleicht auch ein wenig.
Vertrauen wir Gottes Wegen mit uns. Möglichst immer und überall. Aber bleiben wir nicht zu lange beim Alten stehen. Gehen wir mit der Zeit. Gott geht mit. Und mit ihm, unter seinem Segen, an seiner Seite, erreichen wir unsere Ziele.
Wovor haben wir noch Angst? Ein Versuch ist es allemal wert!

Geh mit Gott!
Sei behütet und beschützt. Und sei Dir sicher, Du bist nicht allein. Du wirst gehalten, bejaht, getragen, Dir wird vergeben, Du bekommst Kraft und Hoffnung wird Dir geschenkt. So kannst Du gut gerüstet Deinen Weg bestreiten, Schritt für Schritt.

Ob Sie also nun mit dem Auto, dem Taxi, dem Bus, dem Zug oder dem Flugzeug unterwegs sind, ob Sie mit dem Schiff reisen oder lieber zu Hause die Gegend erkunden, bleiben Sie beweglich. Wagen Sie den Aufbruch. Und nehmen Sie sich diese Frische, diesen Zauber des neuen Anfangs mit in Ihren Alltag hinein, mitten ins Leben. Es tut nicht gut, starr und stur zu bleiben. Es tut gut, Neues zu schaffen, die Grenzen zu erweitern, neue Wege zu beschreiten. Und es tut gut, dabei auf Gott zu hören, der uns zuspricht:

Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern, und hab keine Angst! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“ (Jos 1,9 – HfA)

Amen.