Mit Apps durch Corona (2)

Der Krisen-Kompass der Telefonseelsorge

ab März 2020 für iOS- und Android-Smartphones

Weitere Infos: https://krisen-kompass.app/

Diese App kann Suizide verhindern.“ So heißt es auf der Homepage der App und das ist auch das selbstgesteckte hohe Ziel dieses Angebotes. Die App ist Ergebnis eines Crowdfunding-Prozesses und noch neu am Markt und besticht durch eine klare Kachelnavigation, die unter den Überschriften

  • Ich denke öfter an Suizid
  • Ich jemanden durch Suizid verloren
  • Ich sorge mich um jemanden mit Suizid-Gedanken
  • Soforthilfe- Kontakte und Unterstützung

in jeweils fünf identischen Kategorien oder Rubriken Hilfe anbietet. Unter der ersten Kachel „Ich denke öfter an Suizid“ gibt es zusätzlich noch die Rubrik „Meine Stimmungen beobachten“. Hier drin steckt die Möglichkeit, in einer Art Tagesbuch das persönliche Empfinden zu notieren.

Die App ist eine Schatzkiste an Informationen, Tipps und Hinweisen zum Umgang mit Trauer, Schuldgefühlen, Mobbing, Krisen, psychischen Erkrankungen (wie Ritzen und Depression), zu Kraftquellen, Beispiele, Geschichten, Meditationen, Übungen und vielem mehr. Es braucht schon etwas Übung, um sich darin gut und flüssig zurechtzufinden.

Es ist ein echtes Kompendium, für das man sich gerne Zeit nehmen sollte, um alles einmal zu lesen und kennen zu lernen. Auch die Möglichkeiten der Selbstreflexion fand ich gut gelöst. Das Stimmungstagebuch kann auch ausgewertet werden und verbunden mit den Informationen zu Stressabbau und Krisenhilfe ist es wirklich ein umfassender Helfer für die Hosentasche geworden. Eigene Notfallnummern und Krisenhelfer lassen sich zusätzlich eintragen und helfen, die App den eigenen Bedürfnissen anzupassen.  Einen akuten Suizid kann die App sicher nicht verhindern. Aber Menschen, die sich immer wieder von Suizidgedanken heimgesucht werden und deren Angehörigen bietet es eine gute Spur durch die Krise.

Auch für Menschen, die sich grundsätzlich mit Krisen, Lebens-, Trauer- und Todesfragen beschäftigen mögen, ohne dabei zu Suizidabsichten zu kommen, ist diese App eine klare Empfehlung. Mit den Möglichkeiten zur Selbstreflexion und z.B. dem Stimmungstagebuch kann man sich selbst hilfreich begleiten oder einfach nur besser kennenlernen.

Wünschenswert wäre für mich jetzt noch die Anbindung an eine Homepage mit weiteren Möglichkeiten des Austausches, mit Kursen und Möglichkeiten zur Kommunikation, die bis in die Kirchengemeinden vor Ort hineinreichen.

Die App ist kostenfrei und verspricht absolute Vertraulichkeit. Wie es heißt, werden grundsätzlich keine persönlichen Daten übermittelt. Einzige Ausnahme: Als User wählt man bewusst und aktiv die PDF-Exportfunktion, um selektiv Inhalte mit jemandem zu teilen. Das kann ja jeder selbst entscheiden. Und das es dieses Feature gibt, ist ganz schön cool.