Ich kann mich nicht erinnern

Mit dem Thema „Schuld und Sünde“ ist in vielen Kirchen viel Unheil angerichtet worden. Menschen wurden und werden klein gehalten, indem man die Sünde allgemein, aber auch ihre persönlichen Fehler groß macht(e). Dabei soll es doch anders herum sein, sonst wäre Jesus ja gestorben gestorben. Wie schaut also Gott eigentlich auf unsere Sünde? Wie geht er mit unseren Fehlern und unserer Schuld um?
Wenn wir mit einem biblischen Blick auf unsere Sünde schauen, dann entdecken wir nur vergebene Schuld, vergangene Sünde, vergessene Fehler. Die Erzählung „Vom verlorenen Sohn“ aus dem Lukasevangelium, Kapitel 15 zeigt das deutlich: der Vater lässt den Sohn ziehen und nimmt nachher mit allen Ehren und einem großen Fest wieder auf.

Treffend wird es auch in dieser Geschichte erzählt, die ich in einem Buch gefunden habe:

In einer großen Gemeinde lebte eine Frau, die in ihrer Kirche den Ruf hatte, einen besonders heißen Draht nach oben zu haben. Davon hörte auch der Bischof. Er besuchte sie und sagte: „Liebe Frau, stimmt es, dass Sie mit Gott reden können, so richtig, meine ich?“
„Ja“, erwiderte die Frau schlicht und ergreifend. „Nun“, sagte der Bischof, „ wenn Sie das nächste Mal beten, könnten Sie da Jesus mal fragen, welchen Sünden ich bei meiner letzten Beichte bekannt habe?“
Die Frau war schockiert. „Wenn ich Sie recht verstehe, Bischof, soll ich Jesus nach den Sünden ihrer Vergangenheit befragen!?“
„Genau“, sagte der Bischof, der so herausbekommen wollte, ob die Gerüchte über diese Frau stimmte.
Zehn Tage später rief die Frau den Bischof an und lud ihn zu sich ein. Er kam sofort und fragte: „Nun, was hat Jesus gesagt?“ Die Frau antwortete: „Ich habe Jesus nach den Sünden gefragt, die Sie bei der letzten Beichte genannt haben, so wie Sie es wollten.“ Lauernd schaute der Bischof Sie an: „Und, was hat er gesagt?“
Sie nahm seine Hand, blickte ihm gerade in die Augen und sagte: „Bischof, er hat genau Folgendes gesagt: Ich kann mich nicht erinnern!“
(aus: „Stille“, S. 116)