Gute Haushalter

Predigt zur Verabschiedung der Küster

Drei Pastoren sitzen zusammen und diskutieren die beste Haltung beim Gebet. Zufällig ist auch ein Telekom-Mitarbeiter im Raum, der gerade das Telefon anschließt.
„Knien ist die beste Haltung“, erklärt der eine.
„Nein“, entgegnet der zweite. „Ich bekomme die besten Ergebnisse, wenn ich stehe und die Hände zum Himmel strecke.“
„Ich seid beide völlig falsch“, erklärt der dritte – „die beste Haltung beim Gebet ist, flach auf dem Boden zu liegen mit dem Gesicht nach unten.“
Jetzt kann sich der Telekom-Mitarbeiter nicht länger zurückhalten. „Meine Herren“, sagt er, „das beste Gebet, das ich je gesprochen habe, war, als ich kopfüber an einem Telegrafenmast hing.“

Ja, darüber kann man lange streiten, aber was macht eigentlich ein Küster?
o Den Altar herrichten mit Blumen, Kerzen, Paramenten.
o Besonderer Schmuck für Taufe, Trauung und Jubelhochzeiten
o Liednummern stecken und Gesangbücher bereithalten
o Taufwasser ausgießen und Abendmahlskelche reinigen
o Bei Hochzeiten die Ringschale, Kniekissen, Stühle, Programme vorbereiten
o Die Kirche öffnen und schließen, heizen und lüften
o Besucher und Gäste willkommen heißen.
o Turmuhr aufziehen und zu besonderen Anlässen Läuten, bzw. die Automatik programmieren
o Heizung- und Glockenwartung organisieren

Hab ich etwas vergessen?
Ganz bestimmt. Denn Ihr beiden Ehepaare habt in den letzten 15 (Kahls) bzw. 10 Jahren (Lührs) ganz viel gemacht, geleistet und geschafft.

Was wären wir ohne Euch?
Euer Dienst schafft zuallererst die Voraussetzung dafür, dass alles, wovon unsere Gemeinde lebt, stattfinden kann! Und wohl keiner kennt unsere Kirche und unser Haus der Kirche, die Heizung und den Glockenturm mit Uhr so gut wie Ihr.
Gottesdienste, Konzerte und Feste – all das wäre ohne Eure Mitwirkung nicht denkbar.
Ja, es gibt noch viel mehr Mitarbeiter ohne die hier nichts oder wenig stattfinden würde. Viele sind heute hier. Von Susi von Alm und Ines Kubin und Manuela Janssen, die Chöre, Gemeindebeirat, Förderkreis, die Jugendlichen, der Kirchenvorstand und viele weitere Gruppen und Einzelpersonen, die zum Teil schon sehr lange oder auch spontan und bei Bedarf mal einspringen und mithelfen. Aber heute steht Ihr im Mittelpunkt und diese vielen anderen sind alle da, weil es Euch gibt. Wir wollen Euch gemeinsam „Danke“ sagen für Euren Dienst, Euer Kümmern und Sorgen, für Eure Freundlichkeit und Hilfe, für das Vertrauen und die fröhliche und unkomplizierte Zusammenarbeit.

Ich finde das prägt uns hier und zeichnet uns auch als Kirchengemeinde aus, dass wir unkompliziert miteinander arbeiten und umgehen. Direkt, fröhlich, freundschaftlich und vertrauensvoll. Und Ihr habt einen entscheidenden Anteil daran geleistet, dass es so ist und auch so gewachsen ist. Wenn man Euch gerufen und gebeten hat, wart Ihr da. Ihr wusstet immer Rat und manchmal auch noch weitere Helfer. Ihr habt über den Tellerrand hinausgeblickt, hattet immer mehr im Blick als nur St. Jakobi selbst. Ihr habt dafür gesorgt, dass diese Gemeinde sich geöffnet hat und sich auch Neulinge, Fremde und Gäste hier willkommen und wohlfühlen. Damit geht Euer Dienst über das bloße „Wachen“ über dem Gebäude hinaus.
Denn Küster kommt ja vom lateinischen „custos“, und das heißt „Wächter“.
Als Küster ist man eine Altar- und Hauswache. Aber Ihr habt keine Schwerter, sondern Eure Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft als Waffe mit Euch. Das Aufpassen ist mehr ein Kümmern und Sorgen und Helfen.

Schon im Alten Testament wird über die Gruppe der Leviten berichtet, die in Tempel und Synagoge als Helfer dienten. Aus den Leviten entwickelte sich dann der Küsterberuf. Und Küster öffneten und schlossen schon immer die Pforten der Kirche, läuteten die Glocken, bereiteten den Gottesdienst vor, unterwiesen die Konfirmanden und waren die Vorsänger der Gemeinde.
Dass Ihr vier gut singen könnt, wissen wir. Ihr seid ja auch im Kirchenchor dabei. Und Hini hört man sowieso immer raus.
Doch bis vor rund 300 Jahren wählten Küster oder Kantor auch die Gesänge der Gemeinde aus.

So handelt es sich bei den Aufgaben des Küsters und der Küsterin um eines der ältesten und vielfältigsten Arbeitsbereiche in unserer Kirche.
Und darum ist es wichtig, dass wir es wertschätzen und hochhalten.
Ihr sorgt dafür, dass die Stimmung in unserer Gemeinde gut ist und bleibt.
Und dieses Wort „Stimmung“ meine ich durchaus im mehrstimmigen Klang. Die Musik, die Atmosphäre, das es warm und herzlich ist, offen und gastfreundlich, gut gestimmt. Ein Wohlgefallen für die Menschen und eine Ehre für Gott.

Doch Moment!
Eines dürfen wir alle jetzt nicht tun. Wir dürfen jetzt nicht sagen: Gut, dass wir die vier hier hatten und jetzt mit Ehepaar Jonat die Nachfolger schon bestellt sind. Dann haben wir alle ja mit der Stimmung nichts mehr zu tun, denn das machen ja jetzt die beiden für uns.

O gefährlich!
Und es ist ganz anders.
Diese vier oder nun diese beiden Peter und Rosemarie Jonat gehen uns nur voraus. Und sie hoffen, wir gehen mit. Und ich hoffe das auch.

So, wie Petrus es uns ins Herz schreibt:
Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der Gnade Gottes. (1. Petr. 4,10)

Das ist unsere Aufgabe. Und es ist etwas, das niemand von uns abgeben oder ablegen oder abweisen kann. Hierzu sind wir alle aufgerufen. Und nicht nur das. Hierzu sind wir auch ausgerüstet und begabt. Und dadurch werden wir auch beschenkt. Es ist ein Geben und Bekommen.

Fragen Sie mal Lührs und Kahls, was sie in den vergangen 10 bzw. 15 Jahren so erlebt haben. Die beiden konnten mir im Vorgespräch einige schöne Geschichten erzählen. Wie Hini das Samstagabendgeläut auseinandersortiert hat und es nun im schönen Klang nacheinander loslegt und den Sonntag einläutet. Wie viele Feiern, besonders Goldene Hochzeiten für Kahls schöne Erlebnisse waren und so mancher Besuch von Gästen während der offenen Kirche zum besonderen Erlebnis wurden. Dann und wann gab es sogar auch Dankesbriefe. Oder wie Ilse merkwürdige Begegnungen mit noch merkwürdigeren Menschen hatte und auch schusseligen Pastoren. Oder nachts im Schlafanzug noch mal zur Kirche fahren, weil einem erst im Bett eingefallen ist, dass man die Türen noch gar nicht abgeschlossen hat.
Das und noch viel mehr erleben Sie nur, wenn Sie mitmachen.

Nicht jeder kann Küster sein. Aber jeder von uns hat eine Begabung. Hat einen Segen. Weiß Sätze für ein Gebet, egal in welcher Haltung. Hat ein gutes Wort oder einen starken Arm. Kann etwas. Hat etwas. Und möchte noch etwas erleben oder leisten. Niemand ist vollkommen mittellos.

Darum:
Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der Gnade Gottes. (1. Petr. 4,10)

Wir sind Begnadete Menschen, lassen Sie uns gnädig miteinander umgehen. Wir sind Gesegnete, lassen Sie uns einander segnen. Wir sind Begabte, lassen sie uns einander beschenken mit den Begabungen, die wir haben.

Damit die Stimmung in unserer Gemeinde gut ist und gut bleibt. Damit es hier wächst und gedeiht. Damit Menschen in Kontakt kommen, mit der frohen Botschaft. Damit Einheimische, Fremde und Gäste hören und erleben, dass ihnen vergeben ist, dass sie getröstet werden, dass es noch Hoffnung gibt und Kraft und Zeit und Aufmerksamkeit. Und sie und wir alle so fröhlich gestimmt und gut gerüstet in den Alltag hinaustreten werden.

Amen.