Gottes Freude

Heute Morgen möchte ich mit ihnen über einen Bibelvers nachdenken. Es ist ein gutes, ein schönes Wort. Nicht nur für diesen Tag, sondern für unser ganzes Leben. In jeder Lebensphase.
Gott spricht: Es soll meine Freude sein, ihnen Gutes zu tun. (Jer. 32,41)

Dieses Wort war für Israel eine Überraschung. Wer sich umschaute konnte nichts Gutes entdecken. Im Gegenteil. Alles war schlecht, alles war schlimm. Israel war nämlich das schrecklichste passiert, dass hätte passieren können. Es wohnte nicht mehr im eigenen Land, sondern war verschleppt worden ins Exil nach Babylonien. Es hatte keinen Zugang mehr zum Tempel, der stand ja in Jerusalem. Es hatte somit auch keinen Zugang mehr zu Gott, denn Gott hatte sich an den Tempel gebunden. Es gab für Israel nur eine angemessene und passende Reaktion auf dieses Unheil und die Reaktion ist auch beschrieben worden in Psalm 137,1: Wir saßen an den Wasserbächen von Babel und weinten.
Man weinte über den Verlust der Heimat, des Tempels. Und als sei das alles nicht schon schlimm genug, man weinte auch über den Verlust geliebter Menschen, die im Kampf ihr Leben gelassen hatten.
Eine schlimme, eine schreckliche Situation in der Geschichte des Volkes Israel. Vielleicht sogar die schlimmste Zeit in der gesamten Geschichte des Volkes.
Und dann dieses Wort: Gott spricht: Es soll meine Freude sein, ihnen Gutes zu tun. (Jer. 32,41)
Auf was für Ohren stieß dieses Wort? Wurde es dankbar angenommen? Oder belächelt? Wie wurde Jeremia geantwortet? Danke Jeremia, das tut gut zu wissen. Oder: Jeremia, was redest du da eigentlich, schau dich doch mal um! Wo ist das Gute, von dem du redest? Wir sehen es nicht?
Vielleicht finden wir eine Antwort, wenn wir uns selbst fragen, wie das Wort uns erreicht.
Gott spricht: Es soll meine Freude sein, ihnen Gutes zu tun. (Jer. 32,41)
Wir sind ja auch gemeint. Uns will Gott Gutes tun. Uns, so wie wir hier heute Morgen sind. Es ist die Tageslosung, das Tagesmotto für diesen Samstag. Heute will es Gottes Freude sein, uns Gutes zu tun.
Wie sind unsere Reaktionen darauf? Glauben wir es oder runzeln wir die Stirn?
Oder ist es uns schon vollkommen egal, weil wir ja schon so viel erlebt haben im Leben und außerdem, was soll der Pastor auch sonst in der Andacht sagen, als von Gottes Liebe zu erzählen?
Vieles spricht dagegen, dass Gott es gut meint. Mal ehrlich. Wir müssen doch nur die Nachrichten schauen, dann kommen mir die Zweifel. So viel Krieg, so viel Unrecht, so viel Lüge, so viel Hass, so viel Feindschaft, so viel Gewalt, so viel Ungerechtigkeit. Und dann kommen die ganzen Fragen nach dem Warum. Warum muss ich so viel leiden. Warum bin ich so krank. Warum ist mein Alter so beschwerlich. Warum ich?

Gott spricht: Es soll meine Freude sein, ihnen Gutes zu tun. (Jer. 32,41)

1. Gott will uns Gutes tun.
Ich weiß nicht, wie ihr Gottesbild ist. Für wen sie Gott halten. Manche Menschen halten Gott für einen Bürokraten. Einen Paragraphenreiter. Einen, der genau darauf achtet, ob wir auch alle Gebote einhalten und wenn nicht, dann gibt es was auch die Finger. Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort…
Es gibt Christen, die sagen: Wenn das Leben Spaß macht, läuft was falsch. Sie behaupten, dass Anfechtung und Schwierigkeiten zwangsläufig zu einem Christenleben dazugehören. Wenn dann alles glatt läuft, ist es für sie ein Zeichen, dass dem Teufel schon zu viel Raum gegeben wurde. Echte Christen, wahre Gläubige leiden in dieser Welt.
Ich bin überzeugt, dass das alles ein großer Irrtum ist. Er macht Gott ganz klein und unser Misstrauen ganz groß. Die Bibel lehrt uns etwas anderes über Gott. Sie stellt uns Gott als liebevollen Vater vor, der seinen Kindern Gutes tut und Gutes gönnt. Wir dürfen Vertrauen haben.
Ein Bauer trägt einen Sack voll Weizen nach Hause. Er freut sich über das gute Korn. Da begegnet ihm Gott und bittet den Bauern: „Schenk mir deinen Weizen!” Der Bauer öffnet den Sack und sucht das kleinste Korn heraus und reicht es Gott. Der verwandelt das kleine Weizenkorn in Gold und gibt es dem Bauern zurück. Da ärgert sich der Bauer, dass er Gott nicht den ganzen Sack voll Weizen geschenkt hat. (Nach einer indischen Legende)

2. Es ist Gottes Freude, uns Gutes zu tun.
Gott hat Freude daran, uns zu beschenken. Gott hat begriffen, dass Liebe mehr wird, je mehr man sie austeilt. Gott hat das begriffen, denn Gott ist Liebe. Gott ist kein Erbsenzähler. Gott ist keiner, der aufrechnet: schenkst du mir was, schenke ich dir was. Gott gibt. Einfach so. Aber nicht nutzlos. Es macht ihm Spaß. Gott gibt gerne. Und wir dürfen darum gerne empfangen. Wir dürfen die Hände aufmachen und einfach genießen.
Wir müssen nicht zurückhaltend sein. Nicht bei Gott. Im Gegenteil. Lassen Sie uns wie Kinder hingehen zu Gott und ihn um Gutes für uns bitten. Was auch immer das sei. Ganz zwanglos, ganz naiv, ganz einfach.
Unter uns Menschen ist das ja anders. Da sagen wir: Eine Hand wäscht die andere. Wie du mir so ich dir. Und wir trauen uns nicht, andere um einen Gefallen zu bitten, dann müssen wir auch was zurück geben oder weil wir noch nichts getan haben, darum erwarten wir auch nicht. Wir empfinden Menschen, die nur bitten aber nie geben als dreist. Das sind Schmarotzer. Und wenn die dann noch nicht mal „Danke“ sagen, für das, was sie bekommen haben, dann sehen wir rot vor Wut. Ungehörig ist so etwas!
Wir dürfen ungehörig sein vor Gott. Was wollen wir Gott auch zurückgeben. Mit ihm aufzurechnen und zu vergleichen ist einfach lächerlich und ein Zeichen von Misstrauen. Lassen Sie uns darum auch das Misstrauen ablegen, als müssten wir Gott erst gut stimmen oder beeindrucken, bevor er etwas springen lässt.
Manche Menschen denken so. Sie halten sich nicht für gut genug, für zu gering, zu unbedeutend als das Gott sich ausgerechnet ihrer annehmen würde. „Da gibt es doch viel wichtigere Menschen als mich“, sagen sie. Gott wird keine Zeit haben, um sich um mich kleines Licht zu kümmern.
Aber wissen Sie: Israel galt als das kleinste Land, unbedeutend, untreu, wankelmütig, rebellisch, frech… Im 5. Mose lesen wir einen bemerkenswerten Satz: Nicht weil ihr zahlreicher wäret als alle anderen Völker, hat sich der Herr euch zugewandt und euch erwählt – denn ihr seid das kleinste von allen Völkern – sondern weil der Herr euch liebt (Dtn 7,7).
Gott liebt uns. Darum hat er seine helle Freude daran, uns Gutes zu tun. Jedem von uns.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben und nicht verloren gehen (Joh 3,16).
Gottes Liebe zu uns hängt nicht von unserer Schönheit ab, nicht von unserem Können, nicht einmal von unserer Reinheit oder Sündlosigkeit, nicht von unserem Erfolg im Leben, nicht von unserem Vertrauen zu ihm ab. Wir können sie uns nicht verdienen und nicht herbei zerren, sie ist einfach da. Für jeden von uns. Gott spricht: Es soll meine Freude sein, ihnen Gutes zu tun. (Jer. 32,41)
Setzen Sie da ruhig ihren Namen ein. Gott spricht: Es soll meine Freude sein, Dir _____ Gutes zu tun.

3. Auf was für Ohren stießen die Worte von Jeremia?
So viel sprach damals dagegen. Es wäre ein leichtes gewesen, ihm einfach nicht zu zuhören. Was sollte ein Mann Gottes auch anderes sagen? Doch für Israel waren es Trostworte. Worte die gut taten. Worte die lockten. Hin zu Gott. Worte die Mut machten und Hoffnung gaben und Vertrauen weckten.
Vielleicht gelingt das seinen Worten auch heute bei uns. Dass dieser Bibelvers ein Tagesmotto und sogar ein Lebensmotto werden kann.
Wir reagieren wir darauf. Mit Misstrauen?
Oder mit Vertrauen? Mit Glauben? Es spricht vieles in unserer Welt gegen die Worte von Jeremia. Und vielleicht spricht auch manches in dem, was wir in unserem Leben erfahren haben gegen seine Worte.
Trotzdem lädt uns Gott zum Vertrauen ein. Hoffnung heißt ja nicht, dass alles gut wird. Hoffnung bedeutet, dass das, was ich erlebe Sinn macht. Zu dieser Hoffnung lädt uns Gott ein. Er will uns Gutes gönnen. Auch wenn wir es vielleicht im Moment noch nicht sehen, wie.
Gott will uns seine Liebe zeigen, auch wenn wir sie noch nicht sehen.
Gott hält uns seine offene Hand entgegen. Er wartet darauf, dass wir einschlagen und auch ihm die Hand reichen. Er wartet auf unsere Reaktion.
Seine Liebe gilt uns. Gott will nicht schlagen, sondern heilen, nicht zerstören, sondern aufrichten. Er will nicht, dass wir verloren gehen, sondern dass wir Vertrauen haben und auf ewig bei ihm sind.
Gott spricht: Es soll meine Freude sein, ihnen Gutes zu tun. (Jer. 32,41)
Amen.