Abendmahl mit Corona

Wie feiern wir Abendmahl, wenn wir uns nicht nahe sein können? Das Abendmahl  lebt in den Kirchengemeinden eigentlich von der Gemeinschaft, vom Friedensgruß per Handschlag oder Umarmung, von gegenseitigem Zuspruch und dem freundlichen Blick in die Augen.

Jetzt, in Zeiten von Corona und körperlicher Distanz, ist gerade nichts davon möglich.

Trotzdem möchten Gemeinden das Abendmahl feiern. Trotzdem möchten Menschen den Segen, die Vergebung und Hoffnung, den Mut und die Kraft des Mahles spüren. Trotzdem möchten gerade jetzt Menschen Abendmahl feiern – einfach so.

Und Kirche sollte es ihnen ermöglichen und sie dazu ermutigen. Wie auch immer es im Moment gehen kann. Ob im Live-Stream eines Gottesdienst, ob als Feier die zeitversetzt als Video angeschaut und quasi nachgefeiert wird, oder auch als gedruckte, gesprochene, bebilderte Anleitung für eine Abendmahlsfeier zu Hause im Kreis der Familie.

Das Abendmahl muss gefeiert werden – gerade jetzt!

Und es geht auch, weil nicht wir einladen. Es sind nicht die Menschen, die die Essensglocke läuten und zu Tisch rufen. Es ist Jesus. Er ganz allein. Und es ist Jesus, der gesagt hat: Dieses tut zu meinem Gedächtnis.

Also immer wieder und immer wieder gerne.

Und es sind auch nicht die Menschen, die das Abendmahl gültig werden lassen. Wir stehen und leben als Christen in einer Gemeinschaft, auch wenn wir sie (jetzt gerade) nicht sehen. Jesus verbindet uns und er ruft uns. Darum braucht es erst einmal nur mich und Jesus. Denn Jesus ruft mich nicht zuerst in die Gemeinschaft der Kirche, sondern in die Gemeinschaft mit sich. Er lädt ein, weil er mit mir feiern will. Weil er mich sättigen möchte an Leib und Seele. Und darüber hinaus dürfen wir uns verbunden wissen mit all den Gemeinden und Christen, die gerade jetzt auch Abendmahl feiern, irgendwo in der Welt. Und vielleicht können wir uns mit ihnen auch digital in einem Online-Gottesdienst vernetzen.

Und sein Wort reicht. Sein Wort lässt mein Brot und meinen Wein oder Traubensaft anders werden. Seine Worte machen den Unterschied, damit aus dem Becher ein Kelch des Heils wird und aus dem Bäckersbrot ein Brot des Lebens. Das kann sein Wort, egal ob mittels Luft oder Datenleitung gesprochen. Egal, ob allein oder mit einer Gemeinde.

Und so nimmt er mich und alle, die allein oder mit ihren Familien in diesen Zeiten Abendmahl feiern wollen, mit hinein in das, was er für uns getan hat. Von seiner Geburt in der Krippe über die Kreuzigung an Karfreitag bis zur Auferstehung am Dritten Tag. Jesus Christus ist und bleibt der Handelnde im Abendmahl. Und ich darf das für mich in Anspruch nehmen. Mir gefallen lassen.

Na gut, ich würde auch gerne, ja sogar lieber, mit und in einer Gemeinde das Abendmahl feiern. Mit bekannten und mir fremden Menschen, mit Alten und Jungen, Kranken und Gesunden. Und ich würde ihnen gerne die Hände schütteln und einige umarmen. Und noch viel wichtiger, ich würde gerne das Brot aus den Händen eines anderen Menschen empfangen und es selbst dann weitergeben. Genauso wie den Kelch, aus dem wir alle trinken.

Eine Abendmahlsfeier mit anderen Menschen, in körperlicher Präsenz, wäre mir viel lieber als vor einem Bildschirm oder nur im engsten Kreis meiner Familie. Aber das geht eben im Moment nicht.

Und darum komme ich auch nicht auf die Idee, das Eine gegen das Andere auszuspielen. Oder eine Form für richtiger und wahrer zu halten, als die andere Form – das käme mir nicht in den Sinn.

Ich bin ja auch gar nicht aufgefordert, das zu bewerten und zu benoten. Auch, wenn ich das gerne wollte.

Ich kenne schließlich meine Vorlieben und Geschmäcker. Eine fröhliche Feier in einer Gemeinde würde ich auf einer Skala vielleicht mit der Höchstnote, einer glatten 10, bewerten und einen Live-Stream auf Facebook, den ich nur allein anschaue und daran teilnehme, vielleicht mit einer 5, weil mir die spürbare Gemeinschaft fehlt oder warum auch immer. Ich weiß ja, was mir jetzt besonders gut tut und im Moment am meisten fehlt. Aber daraus eine allgemeingültige Regel ableiten? Und daraus schließen, wie andere das für sich erleben (sollen)?

Das geht schon deswegen nicht, da ich ja gar nicht der Gastgeber bin!

Die Skala kann für mich selbst hilfreich sein, auch um meine Traurigkeit oder Angst oder das Gefühl von Einsamkeit zu beschreiben. Und das darf ich dann auch mit zum Abendmahl nehmen und bei Jesus lassen. Die Skalenwerte beschreiben oder benoten aber nicht die Gegenwart Christi im Abendmahl. Dafür sorgt er schon selbst, immer und überall. Für mich gilt:

Ich bin Gast und darf mich erfreuen an dem, was auf den Tisch kommt. So gut es eben geht, gerade jetzt. Bis wir uns dann wieder um den Altar unserer Kirchen als Gemeinde versammeln können, um wieder gemeinsam in größerer Runde zu feiern.

Darum:

Nimm und iss. Nimm und trink.
Brot und Kelch für dich gegeben.
Amen.

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