Unmöglich!

unmöglich

Ich stelle mir das so vor: Auf einem großen Stein, einem schweren Findling vielleicht, wie man sie hier in Norddeutschland öfter findet, steht in guter Steinmetzarbeit eingemeißelt dieses Wort. Unmöglich!
Schwer. Unverrückbar. Untragbar. Nicht zu schultern und darum auch nicht zu ändern. Unüberwindbar. Alternativlos. Wie ein Stop-Signal. Hier kann niemand weiter. Hier ist das Ende des Weges erreicht. Hier ist Schluss. Und genauso schwer wie der Findling wiegt auch dieses Wort. Es beendet alles. Jede Diskussion, jeder neue Weg, jede andere Idee. Jeder Strohhalm oder Faden, an den man sich geklammert hat wird abgeschnitten. Jeder Weg, den man beschritten hatte, ist beendet. Unmöglich eben, weil es nicht nur nicht geht, sondern weil es eben auch nicht gehen darf oder nicht gehen dürfen soll.
In dem Wort „unmöglich“ steckt noch mehr als die bloße Ansicht, etwas ginge nicht, weil etwas eben nicht funktioniere. In diesem Wort steckt auch die moralische Überzeugung der berechtigten Entrüstung. Aus diesem unsichtbaren Kopfschütteln bezieht das Wort seine eigentliche Kraft, denn wenn etwas nur deshalb unmöglich ist, weil es eben nicht funktioniert oder erfolgversprechend ist, dann gibt es immer einen anderen Weg zum Erreichen des Ziels. Der moralische Unterton aber macht es unmöglich – im wahrsten Sinne – überhaupt nach so einer Alternative zu suchen oder zu fragen, denn es geht nicht, weil es nicht gehen darf.
Mit diesem Unterton kann sich das Wort fest im Boden verankern. Hier wackelt und bewegt sich wirklich nichts mehr. Hier ist jetzt der Schlusspunkt erreicht. Ende. Aus.

Scheinbar. Denn auf der anderen Seite kann das natürlich nur unmöglich sein!
Der menschliche Geist und das menschliche Herz finden immer einen Weg. Und sie dürfen das. Im doppelten Sinne unmöglich ist lediglich der Versuch, ihre Möglichkeiten und Versuche zu beschränken und zu behindern. Die Gedanken sind frei und das Herz kann eine Weite zeigen, die beinahe grenzenlos ist, die zumindest individuell je anders ausfällt und darum in kein Schema hineinpasst. Gedanken und Herzen sind eher wie Wasser. Sie finden ihren Weg und suchen sich ihr Ziel. Und sie lassen sich nicht aufhalten, nicht durch moralische Vorgaben und Konventionen, juristische Normen und Gesetze oder gar Naturgewalten.
Herz und Verstand sind eher wie das sprichwörtliche Unkraut, das nicht vergeht. Es wächst an den unmöglichsten Orten und auf überraschendste Art und Weise.
Unmöglich ist also nur die Unmöglichkeit. Dass das so ist, macht im Grunde alles möglich.

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