Mit Gott – ein Traum

Predigt zu 1. Mose 28,10-19

Silberne Konfirmation.
Haben Sie sich das Wort eigentlich mal auf der Zunge zergehen lassen?
Hatten Sie Zeit, um ein wenig in sich selbst hinein zu horchen? Wie ist es gewesen, als klar war: Dieses Jahr bist du dran? Und dann kam tatsächlich Einladung dazu. Für die Wietzendorf schon mal vorab, hier zum Planungsgespräch. Dann die richtige Einladung mit Ort und Zeit und Ablauf und Infos.
Vielleicht haben Sie sich auch selbst gefragt: Sende ich das jetzt zurück? Will ich dabei sein? In der Kirche? 25 Jahre später? Oder kam richtig Vorfreude auf? Manche wieder zusehen? Einen schönen Tag zu erleben. Silberne Konfirmation. Wie fühlt sich das an?

Vielleicht fühlt sich das ganz gelassen an. Man ist ja nicht mehr der oder die jüngste. Man hat schon etwas erreicht im Leben. Man ist schon was geworden. Man hat was aus sich gemacht. Da kann man stolz sein. Zufrieden zurückblicken und es den anderen präsentieren. Das Klischee kennen Sie alle aus der Werbung: Mein Haus. Mein Auto. Meine Yacht.
Sie haben da ihre ganz eigenen Dinge, die Sie sich zeigen können und sagen werden.
Noch vor 10 Jahren wäre das bei dem einen oder anderen vielleicht noch anders gewesen. Da war man noch im Prozess. Da hat man noch an sich gearbeitet. Die Ausbildung beendet, das Haus gebaut. Am Auto gezahlt. Heute ist man nicht mehr so unter Druck. Zwar sind die Schulden vielleicht größer, aber das Eigentum auch. Und figurentechnisch geht es den anderen eh nicht besser. Haben Sie sich schon umgeschaut und angeschaut?
Wirken alle so gesetzt oder bin ich das nur?

Silberne Konfirmation – es ist Zeit vergangen.
Trotz aller Veränderungen erkennen Sie aber vielleicht auch sofort wieder alte Rollen. Mario, der Klassenclown. Bärbel die Anführerin. Matze, das Opfer.
Oder auch kräftige Überraschungen: Mensch, der hat sich ja ganz anders entwickelt, als erwartet!
Es ist schön zu erfahren, was aus den anderen geworden ist und wo sie so stecken und welche Fragen sie in sich tragen und welche Antworten sie gefunden haben.
Vielleicht kann man davon etwas für sich selbst mitnehmen und lernen. Auch dann, wenn man sich hier im Dorf vielleicht auch öfters über den Weg läuft.

Wie Jakob. Der hatte zwar keine Silberne Konfirmation, aber er lag unterm offenen Himmel und schlief. Und das ist ja auch nicht schlecht. Sein Kopf, wie üblich, lag auf einem Stein als Kissen.
Und er träumte. Er sah eine Leiter, die bis in den Himmel reichte. Engel stiegen auf der Leiter auf und ab. Und Gott selbst stand auf der Leiter und sprach mit Jakob im Traum:
»Ich bin der Herr, der Gott deiner Vorfahren Abraham und Isaak. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben.
Sie werden so unzählbar sein wie der Staub auf der Erde und sich nach allen Seiten ausbreiten, nach West und Ost, nach Nord und Süd. Am Verhalten zu dir und deinen Nachkommen wird sich für alle Menschen Glück und Segen entscheiden.
Ich werde dir beistehen. Ich beschütze dich, wo du auch hingehst, und bringe dich wieder in dieses Land zurück. Ich lasse dich nicht im Stich und tue alles, was ich dir versprochen habe.«

Und Jakob wachte auf und war beeindruckt von seinem Traum und tat ihn nicht schnell beiseite, so wie wir das ja meistens machen, wenn wir uns überhaupt noch an einen Traum erinnern. Er nahm ihn wortwörtlich als Treffen mit Gott und sagte:
»Wahrhaftig, der Herr ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht! Man muss sich dieser Stätte in Ehrfurcht nähern. Hier ist wirklich das Haus Gottes, das Tor des Himmels!«
Und dann stellte er einen Stein auf, wie man das damals so machte. Ein Zeichen der Erinnerung. Wie ein Denkmal. Und er goß Öl darüber, um ihn zu weihen, so wie wir eben an Denkmalen Kränze ablegen und er nannte diesen Ort Bet-El (Haus Gottes).

Wo haben Sie Ihre Kränze abgelegt und Steine aufgestellt in den vergangenen Jahren, weil Sie gesagt haben: Wow, was für ein Erlebnis!
Wir legen Kränze eher an Grabmalen ab und Steine stellen wir normalerweise gar nicht mehr auf. Das machte man in der Steinzeit, zum Beispiel in Stonehenge. Trotzdem gibt es in unserem Leben Ereignisse und Erlebnisse, die einem sprichwörtlich die Socken ausziehen. Im Guten wie im Schlechten.
Ereignisse, die unser Leben beeinflussen. Verändern. Erneuern.
Der Schulabschluss. Der Führerschein. Der Tod eines Freundes. Die Hochzeit. Die Geburt eines Kindes. Das eigene Haus. Der Abschied von Großeltern und Eltern. Scheidung. Die Fußballweltmeisterschaft.
Sie alle haben da ihre eigenen Ideen und Erinnerungen. Es ist immerhin Silberne Konfirmation! Da ist einiges bereits zusammengekommen.
Das Leben von Jakob ging auch auf und ab. Und als er da scheinbar gerade so friedlich lag und schlief, war er eigentlich auf der Flucht vor seinem wütenden Bruder, weil Jakob ihn um sein Erbe und den Vater um seinen Segen betrogen hatte.
Wie kann er da ruhig schlafen?
Aber er kann und Gott spricht zu ihm.
„Ich werde dir beistehen. Ich beschütze dich, wo du auch hingehst, und bringe dich wieder in dieses Land zurück. Ich lasse dich nicht im Stich und tue alles, was ich dir versprochen habe.“
Was für eine Zusage!
Gott hätte sagen können: Also Jakob, ich hatte ja mal was vor mit dir und das mit dem Linsengericht war schon so eine Sache, aber da habe ich noch einmal ein Auge zugedrückt, aber das hier mit dem Segen deines Vaters – das geht nun wirklich nicht! Du bist raus, Jakob.
Aber so redet Gott nicht.
Für Gott gibt es keine Vergangenheit, die so dunkel ist, dass es nicht doch eine Zukunft gibt.
Gott sieht immer auf den nächsten Tag.
Gott schaut nach vorne. Nicht zurück.

Wir feiern Silberne Konfirmation. Lassen Sie das mal auf ihrer Zunge zergehen. Ein guter Moment, um für einen Moment die Zeit anzuhalten und nachzudenken. Was ist eigentlich gewesen bisher und was hat das mit mir und aus mir gemacht? Wie ist das Leben gelaufen?

Am 28. August vor 50 Jahren (1963) stand ein schwarzer Pastor auf den Stufen des Lincoln-Memorial und sprach vor 250000 Menschen bewegende Worte: „I have a dream!“ Martin Luther King hat die Welt berührt und verändert und seine Rede sorgt noch heute für Gänsehaut. Viel hat sich getan seitdem. Am Ziel sind wir noch lange nicht. Nicht in den USA, nicht in Deutschland. Solange gleiche Arbeit nicht gleiches Geld bringt, noch immer Unterschiede gemacht werden zwischen Mann und Frau, Aus- und Inländern, Zugereisten und Einheimischen. Solange die Chancen ungleich verteilt sind und das Geld mehr zählt als der Charakter, sind wir nicht am Ziel. Solange es Diskriminierung und Ablehnung auch unter Christen gibt, ist noch viel zu tun. Solange Asylsuchende in unserem Land nicht sicher leben können und wir nicht bereit sind, unseren enormen Wohlstand zu teilen, müssen wir noch weiter kämpfen.
Aber ich habe diesen Traum, dass sich eines Tages vieles, alles, wenigstens noch mehr bessern wird.

Und vielleicht sind Sie auch gestartet, irgendwann in ihrem Leben.
Mit genau diesen Worten: Ich habe einen Traum. Für mich. Was ich erreichen will, haben möchte. Hoffe, zu sein, irgendwann. Und was ist daraus geworden? Manches ist erreicht. Manches ist liegen geblieben.

Und jetzt verbinden wir das mit Gottes Zusage. Jedes einzelne Erlebnis aus unseren Leben. Die guten und die schweren. Die Ankünfte und die Abschiede. Die Erfolge und die Niederlagen. Das Gold und den Mist.

Und wir hören Gott sagen:
Der Herr selbst steht ganz dicht bei Dir und sagt zu Dir: »Ich bin der Herr, der Gott deiner Vorfahren. Das Land, auf dem du bist, will ich dir und deinen Nachkommen geben.
Sie werden so unzählbar sein wie der Staub auf der Erde und sich nach allen Seiten ausbreiten, nach West und Ost, nach Nord und Süd. Am Verhalten zu dir und deinen Nachkommen wird sich für alle Menschen Glück und Segen entscheiden.
Ich werde dir beistehen. Ich beschütze dich, wo du auch hingehst, und bringe dich wieder in dieses Land zurück. Ich lasse dich nicht im Stich und tue alles, was ich dir versprochen habe.«

Jakob hatte einen Traum. Und er wurde Wirklichkeit. Silberne Konfirmation ist nicht nur der Ort, wo man fragt, wie alles war. Frei nach dem Motto: Erinnerst Du Dich noch? Damals?

Heute ist auch der Ort und die Zeit, wo man nach vorne schaut. An seine alten Träume anknüpft und neue Fäden aufgreift. Mutig, hoffnungsvoll, gesegnet. Wie auf einer Aussichtsplattform den Blick schweifen lässt und den Horizont anvisiert. Die Zukunft ist gut. Denn Gott geht mit. Das Leben ist freundlich, weil Gott uns sieht. Wir machen neu fest und verbinden unsere Zeit, unsere Träume mit Gottes Zusagen. Dann schlagen wir aus dem Berg des Zweifels und der Sorge einen Stein der Hoffnung und werden darauf sicher ruhen. Und wir werden staunen: Wahrhaftig, der Herr ist hier!

Amen.

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