Das Leben – ein Aprilscherz?!

Predigt zum 1. April

Heute ist der 1. April und darum ist heute Scherztag.
Sind Sie schon in den April geschickt worden?
Manches ist altbekannt: In Großbritannien und Nordirland wird der Rechtsverkehr eingeführt.

Manches ist schrecklich: Als auf den Tag genau vor 80 Jahren der Boykott jüdischer Geschäfte begann, hielten das manche für einen Aprilscherz. Andere erkannten bereits die bösen Absichten dahinter.

Manches hat einen so langen Bart: Heute soll der Frühling beginnen!

Seinen Ursprung hat der Aprilscherz vielleicht schon 1530. Auf dem Augsburger Reichstag sollte unter anderem das Münzwesen geregelt werden. Aus Zeitgründen kam es jedoch nicht dazu, so dass für den 1. April ein besonderer „Münztag“ ausgeschrieben wurde. Als der 1. April kam, fand dieser Münztag dann doch nicht statt. Zahlreiche Spekulanten, die auf diesen Münztag gesetzt hatten, verloren ihr Geld und wurden auch noch ausgelacht.

Gar nicht zum Lachen ist einem allerdings, wenn das Leben selbst zum Aprilscherz wird. Also wenn man sich denkt, das was mir hier jetzt gerade passiert, ist doch wohl ein Scherz, oder? Solche Zeiten kennen wir wohl alle.
Da muss man meistens gar nicht lange nachdenken:
Tage der Krankheit, Tage der Zweifel am Sinn von allem, Tage wo einem nichts gelingt, Tage an denen die Gegenwart dunkel und die Zukunft hoffnungslos erscheint, arbeitslos, allein. Tage, an denen Sie Abschied nehmen mussten von lieben Menschen. Oder liebgewordenen Aufgaben. Tage, wo Sie auch gedacht oder gesagt haben: Das ist doch wohl ein Scherz, oder?
Ungläubig steht wir dann da und schütteln den Kopf. Kann doch wohl nicht sein! Warum passiert mir das denn jetzt? Was habe ich getan? Was verbrochen? Das ist doch gar nicht alles wirklich, jetzt. Das kann doch nur ein Scherz sein!
Aber das Lachen bleibt im Halse stecken.

Stattdessen kommen uns Gedanken wir diese in den Sinn:
„Ich halte meinen Rücken hin, und sie schlagen mich. Mein Kinn, und sie reißen mir die Barthaare aus. Ich lasse mich von ihnen beschimpfen und mein Gesicht ist nicht bedeckt, wenn sie mich anspucken. Und sie meinen, ich hätte damit mein Unrecht eingestanden…“ (Jes 50,6f)

Dem Mann aus dem Alten Testament, der das hier sagt, dem geht es nicht gut. Er wird verfolgt. Belästigt. Bedrängt. Vom Schicksal geschlagen. Verhöhnt und verspottet. Ja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Der kommt von ganz allein. Ohnmächtig und wehrlos ist der Mann dem Treiben ausgeliefert. Wir kennen das auch. „Da kannste nichts machen!“, so sagen wir dann. „Da muss man durch!“, ermutigen uns andere. „Es ist ja, wie´s ist.“, so versucht uns das Radioprogramm aufzuheitern. Aber es nützt nicht viel. Das Leben ist gerade wie ein schlechter Scherz. Aber niemand ruft April, April!

Ich möchte Ihnen heute einen Mann vorstellen.
Wir haben ihn schon im Film (*) gesehen: Nick Vujicic. Nick ist 31 Jahre alt, Australier und ein besonderer Mann. Er hat keine Arme und Beine. So ist er schon auf die Welt gekommen. Links ragt nur ein kleiner fußähnlicher Ansatz aus der Hüfte. Er nennt diesen Fortsatz selber „mein Hühnerbein“. Damit kann er die Seiten eines Buches umblättern und seinen Stand ein wenig stabilisieren. Ansonsten ist Nick komplett auf Hilfe angewiesen. Essen, trinken, anziehen, sich fortbewegen. Für alles braucht er Unterstützung. Er besteht ja nur aus Kopf und Hals und Rumpf. Aber Nick ist ein fröhlicher Kerl. Er reist durch die ganze Welt und erzählt den Menschen, besonders gerne jungen Menschen, Kindern und Jugendlichen, von seinem Leben. Er ist viel gehänselt worden. Man kann es sich vielleicht denken. Er hatte viele Selbstzweifel und mit 10 Jahren wollte er sich das Leben nehmen.
Aber Nick hat Kraft und Selbstbewusstsein im Glauben gefunden und er hatte Vorbilder, die ihn unterstützt haben. Er weiß, dass Gott auf seiner Seite ist. Und er sieht seine Behinderung nicht als Strafe, sondern als Geschenk an.
Denn Gott setzt ihn frei. Auf weiten Raum.

Mich berührt das Leben von Nick Vujicic immer wieder. Ich finde es erstaunlich, wie er mit seiner besonderen Herausforderung umgeht. Wie er die Grenzen seines Körpers täglich überwindet und wie er dabei vielen Menschen weltweit Mut macht und sie stärkt, ebenfalls nicht aufzugeben. Auch nicht, wenn das Leben gerade mehr einem schlechten Aprilscherz gleicht.

Nick Vujicic weiß: Ich bin geliebt von Gott. Gott ist auf meiner Seite. An meiner Seite. Ich bin nicht verlassen. Ich bin nicht allein. Ich bin nicht bestraft. Ich bin begleitet und behütet. Trotzdem. Ja, trotz allem. „Ja, dennoch gehöre ich zu dir! Du hast meine Hand ergriffen und hältst mich; 24 du leitest mich nach deinem Plan und holst mich am Ende in deine Herrlichkeit.
25 Wer im Himmel könnte mir helfen, wenn nicht du? Was soll ich mir noch wünschen auf der Erde? Ich habe doch dich! 26 Auch wenn ich Leib und Leben verliere, du, Gott, hältst mich; du bleibst mir für immer! 28 Ich setze mein Vertrauen auf dich, meinen Herrn; dir nahe zu sein ist mein ganzes Glück. Ich will weitersagen, was du getan hast.“ (Psalm 73).

Der Präses, der Chef, der evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider und seine Frau haben vor einigen Jahren ihre Tochter verloren. Sie verstarb mit 22 Jahren an Leukämie. Bei einer Buchvorstellung vor ein paar Tagen sagte seine Frau, manchmal braucht man diesen „Dennoch-Glauben“. Einen Glauben, der gegen allen Anschein festhält an Gottes Zusagen.

Nikolaus Schneider und seine Frau, aber noch mehr Nick Vujicic, sind für mich Vorbilder in diesem „Dennoch-Glauben“. Obwohl so viel dagegen spricht, halten sie an Gott fest und wissen sich selbst auch gehalten von Gott. Sie haben so viel von diesem Glauben, sie ziehen so viel Fröhlichkeit, Kraft und Mut und Hoffnung daraus. Nick sagt: „Sei nicht bitter über das, was du nicht hast. Sei dankbar für das, was du hast.“ Eine einfache Weisheit, aber vielleicht folgen wir dem mal und probieren es aus.
Das möchte ich gerne für mich lernen. Und für die Zeiten nutzen, wo die Tage eher wie ein Aprilscherz sind.

Und ich bin froh, dass ich in Jesus einen guten Begleiter habe, der mich versteht

Jesus kennt den Schmerz, den ich spüre. Er kennt die Ohnmacht und die Angst nicht zu genügen, nicht erfolgreich zu sein, es nicht zu schaffen und es zu nichts zu bringen. Er weiß wie es ist, allein zu sein und verletzt. Verspottet und gehänselt. In alldem ist er mir voraus.
Darum finde ich in ihm einen verlässlichen Gesprächspartner in den Apriltagen meines Lebens. Ich sehe in ihm, den liebevollen Vater, der mir meine Schuld vergibt und mich neu beginnen lässt. Ich erkenne in ihm den solidarischen Begleiter, der mit mir in den dunklen Tunnel geht und mich sicher hindurch begleitet. An meiner Seite. So, wie er vom Tod durch den dunkel Tunnel zum Leben hindurchgegangen ist.

Und so erkenne ich in Jesus den Gott, der nicht nur im Dunkeln dabei ist und tröstet, sondern der mich auch aus dem Dunkel hinausführt. Der Macht hat über alle Dunkelheit und das Licht und das Leben will. Er ist auferstanden. Jesus lebt.
So wie Jesus nicht im Dunkel des Todes geblieben ist, so werden auch wir nicht immer Frust schieben müssen. Gott begleitet uns. Seine Liebe heilt die Wunden, sein Wille sorgt für Gerechtigkeit. Seine Auferstehung gibt die Kraft, die ich brauche, um auch immer wieder neu aufzustehen und weiterzugehen, in die Zukunft, die Gott längst kennt und mir schenken will.
Darum lege ich gerne meine Hand in seine Hand und lasse mich leiten und führen. Voller Hoffnung. Zaghaft, ja vielleicht. Aber doch ganz sicher, dass es sich lohnen wird. Dass es gut gehen wird, dieser „Dennoch-Glaube“ ist ein großer, tiefer Schatz.

Und das ist kein Scherz und bringt mich trotzdem zum Lachen!
Amen.

(*) Der Film:
[http://www.youtube.com/watch?v=Jlry5QbAstI]

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