Auf dein Wort hin

Frühmorgens am See Genezareth. Die Sonne ist schon auf, die Fischer sind es längst. Die ganze Nacht hindurch haben sie ihre Netze ausgeworfen. Sie wollten Fisch fangen. Nahrung für sich selbst und ihre Familien. Etwas zum Mittag und Abend. Und vielleicht noch etwas für den nächsten Tag. Vielleicht reicht es sogar für den Markt. Da kann man die Fische gut verkaufen. Ein wenig Geld für das, was nicht direkt aus dem See kommt. Möbel, Kleidung, Arzneimittel und Bildung. So werden sie gedacht haben, und so war ihre Hoffnung. Aber an diesem Tag sind sie aus der Nachtschicht zurück in den Tag gekommen und haben nichts dabei. Keinen Fisch. Nicht einen einzigen. Die Netze blieben leer. Alle Arbeit war vergebens. Alle Mühe umsonst. Traurig war Petrus. Frustriert waren seine Kollegen. Voller Angst waren die Familien zu Hause, die Frauen und Kinder. Keine Fische und dann auch keine Mahlzeit, kein Verkauf auf dem Markt und schlussendlich kein Geld. Wie lange konnte das gut gehen? Wann würden die Fischer endlich wieder etwas fangen und den Fang nach Hause bringen? (vgl. Lk 5)

Baumkurre an Kutter

Und Jesus kommt und lässt sich auf den See bringen und spricht zu den Fischern und ihren Familien. Zu den Traurigen und Hoffnungslosen. Und dann sagt er diese Worte: Wirf dein Netz zum Fang aus!
Zuerst klingt es wie Hohn. Jesus, der Zimmermann, der Redner. Was weiß er schon vom Fischen? Kennt er den See? Weiß er, wo es gute Fanggründe gibt?
Doch Petrus antwortet: Auf den Wort hin, will ich es tun!
Was hat er schon zu verlieren. Ein paar Kalorien, etwas Zeit. Mehr nicht. Ein Versuch ist es wert.
Ich kenne die Zeiten von Trauer und Tränen. Ich kenne es, frustriert zu sein und nicht mehr weiter zu wissen. Alles versucht, nichts ist geglückt. Das macht einsam und traurig. Zurückgezogen, innerlich verwundet, ratlos, sammeln die Fischer ihre Netze ein. Bis Jesus kommt.
Wie oft habe ich schon Abschied genommen von Freunden und lieben Menschen. Wie oft habe ich schon am Grab gestanden und geweint. Wie oft schon Pläne begraben und die Hoffnung auf eine andere Zukunft. Wie oft schon frustriert ins Leere geschaut. Ratlos. Ohne Sinn und Verstand, denn es hatte eigentlich alles keinen Sinn mehr. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen, man kann leere Tage nicht im Nachhinein mit Leben füllen. Niemand kann wiedergeben, was einem endgültig genommen wurde. Keiner vermag, die Tränen zurück ins Auge zu drücken.

Aber auf dein Wort hin, will ich es tun.
Wer spricht hier eigentlich?
Jesus dreht uns das Ohr. Höre doch hin, was die Toten dir sagen!
Was würde der Verstorbene wollen, das wir jetzt tun? Was kann der Abschied uns sagen? Welches Geschenk liegt da verborgen in dieser Misere? Was können wir lernen und wagen und was endlich tun, obwohl wir selbst gar keinen Sinn entdecken? Und keine Chance sehen und keine Lust spüren!
Auf dein Wort hin.
Weil du es tätest, will ich es versuchen. Weil du einen Sinn siehst, will ich es probieren. Nicht meinen Sinn, sondern deinen nehme ich und handle entsprechend. Obwohl ich keine Kraft hab, vertraue ich auf deine. Auf dein Wort hin, du Verstorbener. Auch wenn ich von dir Abschied nehme, kannst du mir doch noch etwas sagen. Du kannst mir den Weg zeigen, den ich gehen kann. Und du gehst mit. Meine Kraft kommt von dir. Deine Augen sind meine. Deine Beine tragen mich und deine Hände halten mich aus. Du willst, dass ich lebe, trotz unserer Trennung. Du willst, dass ich lebe, jeden weiteren Tag. Du willst, dass ich mich rühre und die Netze auswerfe ins Meer des Lebens und ich fange doch nichts. Doch auf dein Wort hin, kann ich es tun. Du gibst mir Mut, obwohl du mir fehlst. Ich bin immer noch ratlos und unsicher und voller Zweifel. Aber weil du mich treibst, taste ich mich voran. Vielleicht, eines Tages, füllen die Netze sich wieder. Auf dein Wort hin Fisch für Fisch.

(Foto: Wilfried Wittkowsky, 2005 – https://commons.wikimedia.org)

 

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